Bachelorarbeit · Messkampagne 24.07.2026

Wie gut kann ein OECT Phosphat messen?

Diese Seite erklärt den Versuch, die Auswertung und ihre Grenzen so, dass man dafür weder Elektrotechnik noch Chemie studiert haben muss.

Transferkennlinien
780

einzelne elektrische Messkurven

Ausgewertet
432

nach Qualitätsprüfung und Equilibrierung

Transistoren
18 von 20

zwei defekte Devices ausgeschlossen

Messdauer
13,5 h

auf- und absteigende Konzentrationsreihe

01

Grundlagen

Was wird hier eigentlich gemessen?

Ein OECT ist ein elektrisch lesbarer Ionensensor.

OECT steht für Organic Electrochemical Transistor, auf Deutsch: organischer elektrochemischer Transistor. Zwischen Source und Drain liegt ein leitfähiger Kunststoffkanal aus PEDOT:PSS. Durch diesen Kanal fließt ein Strom.

Über dem Kanal befindet sich eine Flüssigkeit und darin eine dritte Elektrode: das Gate. Eine Spannung am Gate bewegt Ionen aus der Flüssigkeit in den Kanal oder wieder heraus. Dadurch ändert sich, wie gut der Kanal leitet.

Wenn Phosphat die elektrische Antwort reproduzierbar verändert, kann man aus dem gemessenen Signal auf die Konzentration schließen.

Vereinfachter Aufbau eines OECT Source und Drain sind über einen leitfähigen Kanal verbunden. Darüber liegen Elektrolyt und Gate-Elektrode. Elektrolyt mit Phosphat-Ionen Gate Source Drain PEDOT:PSS-Kanal
Stark vereinfachtes Schema. Gemessen wird, wie sich der Drainstrom verändert, während die Gate-Spannung durchgefahren wird.
1

Konzentration einstellen

Die Sensoren werden nacheinander mit Lösungen von 0 bis 100 mM Phosphat gespült. Der NaCl-Hintergrund hält die grundlegende Ionenstärke möglichst konstant.

2

Elektrische Kurve aufnehmen

Die Gate-Spannung läuft von −0,2 V auf +0,4 V und zurück. Dabei wird der Strom zwischen Source und Drain aufgezeichnet.

3

Kennwerte vergleichen

Aus jeder Kurve werden Größen wie Schwellenspannung, Strom und Hysterese berechnet. Danach wird geprüft, welche Größe zuverlässig mit der Konzentration zusammenhängt.

02

Versuchsdesign

Warum wurde so gemessen?

Warum zwei Gate-Materialien?

Gold und Molybdän können mit der Flüssigkeit unterschiedlich wechselwirken. Gemessen wurden je zehn Transistoren pro Material. So lässt sich prüfen, ob ein Material empfindlicher oder reproduzierbarer reagiert.

Warum 100 mM NaCl?

Mehr Phosphatsalz bedeutet automatisch mehr gelöste Ionen. Ohne konstanten Hintergrund wäre unklar, ob der Sensor auf Phosphat oder nur auf die insgesamt höhere Ionenmenge reagiert. NaCl reduziert diese Verwechslung deutlich.

Warum auf- und wieder absteigen?

Die Konzentration wurde erst erhöht und anschließend wieder gesenkt. Stimmen beide Wege überein, spricht das für Reversibilität. Unterschiede zeigen Drift, langsame Equilibrierung oder bleibende Veränderungen.

Warum drei Scans pro Messpunkt?

Der erste Scan nach einem Flüssigkeitswechsel dient der Eingewöhnung des Sensors und wurde verworfen. Scan 2 und 3 zeigen, ob sich das Signal danach stabil wiederholt.

Messprotokoll in kompakter Form
PhosphatreiheBlindwert → 10 µM → 100 µM → 1 mM → 10 mM → 100 mM → zurück
Hintergrund100 mM NaCl; DI-Reinstwasser separat betrachtet
Gate-MaterialienGold (Au) und Molybdän (Mo), je zehn Transistoren
Drain-Spannung−0,2 V, während der gesamten Transfermessung konstant
Gate-Sweep−0,2 V → +0,4 V → −0,2 V
WiederholungenDrei Scans je Punkt; Scan 1 nicht in der Auswertung

03

Kalibrierung

Wie hängt das Signal mit der Konzentration zusammen?

So liest man das Diagramm

Jeder Punkt ist der Mittelwert mehrerer intakter Transistoren. Die senkrechten Striche zeigen die Streuung zwischen den Devices. Je enger die Punkte einer klaren Linie folgen, desto zuverlässiger lässt sich die Konzentration aus dem Signal ableiten.

Beschreibt die Güte einer Geraden. 1,0 wäre ein perfekter linearer Zusammenhang; 0 bedeutet keinen linearen Zusammenhang.
Dekade
Eine Verzehnfachung der Konzentration, zum Beispiel von 100 µM auf 1 mM.
VT
Schwellenspannung: die Gate-Spannung, bei der der Transistor einen definierten Schaltzustand erreicht.
AU / Vₜ −60 mV / Dekade

R² 0,960 · Fit ab 100 µM

Kalibrierkurve Vergleich von Gold- und Molybdän-Gate über der Phosphatkonzentration.
Gold-Gate Molybdän-Gate linear ausgewerteter Bereich

Was ist daraus abzulesen?

Gold: Ab 100 µM sinkt VT mit steigender Konzentration nahezu geradlinig. Die Steigung beträgt rund −60 mV pro Dekade, R² liegt bei 0,96. Das ist das belastbarste Ergebnis der Messkampagne.

Molybdän: Die Transistoren lassen sich nur schwach modulieren und streuen stark. Wahrscheinlich fällt ein großer Teil der Gate-Spannung an einer Oxidschicht ab, statt den Polymerkanal zu beeinflussen.

Wichtiger Unterschied

Erkennen ist nicht dasselbe wie eindeutig bestimmen.

Der Gold-Sensor unterscheidet bereits 10 µM sehr deutlich vom Blindwert. Das Signal ist dort aber nicht monoton: 10 µM und eine deutlich höhere Konzentration können ein ähnliches Ergebnis liefern.

Darum liegt die reine Nachweisgrenze unter 10 µM, während der eindeutig quantifizierbare Bereich erst bei 100 µM beginnt.

04

Qualitätskontrolle

Welche Daten durften in die Auswertung?

Ein defekter Transistor kann einen Mittelwert stark verfälschen. Deshalb wurden alle 20 Devices nach festen Kriterien geprüft: Stromniveau, ON/OFF-Verhältnis, Gate-Leckstrom, Transkonduktanz, Stabilität am Blindwert und erwartete Signalrichtung.

Die Entscheidung erfolgte also nicht nach optischem Eindruck, sondern anhand derselben Regeln für jedes Device.

20 geprüfte Transistoren verwendet ausgeschlossen

Hat die Fluidik über Nacht funktioniert?

Ja, bis auf den letzten Reinstwasser-Schritt. Die Konzentrationsblöcke liefen mit gleichmäßigen Pausen. Erst vor DI_2 entstand eine 60-minütige Unterbrechung; gleichzeitig sprang der Gate-Leckstrom auf beiden Chips. Dieser Block wurde deshalb ausgeschlossen.

24.07. · 17:14Messreihenfolge von links nach rechts25.07. · 06:41

05

Einordnung

Was ist bewiesen – und was noch nicht?

Das zeigen die Daten

  • Gold ist in dieser Messkampagne das deutlich geeignetere Gate-Material.
  • VT ist die robusteste Kalibriergröße.
  • Der monotone Arbeitsbereich beginnt bei 100 µM.
  • Die Kalibrierung ist im relevanten Bereich weitgehend reversibel.
  • Die schwache Mo-Antwort ist kein Fluidikartefakt.

Das bleibt offen

  • NaCl reduziert den Einfluss der Ionenstärke, beseitigt ihn aber nicht vollständig.
  • Na₂HPO₄ verändert zusätzlich den pH-Wert; PEDOT:PSS kann darauf reagieren.
  • Der verbleibende Signalanteil lässt sich daher noch nicht eindeutig Phosphat zuordnen.
  • Zwischenpunkte fehlen, um den nicht-monotonen Bereich unter 100 µM sauber zu kartieren.
Nächster entscheidender Versuch

Eine neue Konzentrationsreihe bei konstantem pH – ergänzt um 1, 30, 300 µM und 3 mM – trennt Phosphateffekt und pH-Effekt und kartiert zugleich den mehrdeutigen Bereich.

06

Nachvollziehbarkeit

Daten und Auswertung herunterladen

Die Diagramme auf dieser Seite werden direkt aus den CSV-Ergebnissen erzeugt. Die Dateien können für eigene Berechnungen, Tabellen oder Abbildungen heruntergeladen werden.